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ACHTUNG: Beliebtes Accessoire schädigt den Rücken

Immer mehr Männer setzen auf (Hand-)Taschen als Accessoire statt auf Rücksäcke – beim Sport wie im Business. Was viele dabei nicht ahnen: Das einseitige Tragen hat oft fatale Folgen für die Rückengesundheit. Experten empfehlen: Handtaschen sollten maximal zehn Prozent des eigenen Körpergewichts wiegen – in der Regel sind sie jedoch schwerer und führen schnell zu Schmerzen und Fehlhaltungen.

Ob legere Umhängetasche oder hochwertiger Aktenkoffer: Taschen sind praktisch und ein unverzichtbares Accessoire geworden. Mehr als 70 Prozent der Männer geben an, über eine Sporttasche zu verfügen. Doch Achtung: Für oft schon schmerzende Rücken kann das falsche Tragen einer Tasche schnell und unbemerkt zum Gesundheitsrisiko werden und dauerhafte Beschwerden verursachen. Allein mehr als ein Drittel der Männer klagt über Nackenschmerzen, 15,6 Prozent zusätzlich über Schmerzen am unteren Rücken.* Glücklicherweise kann Mann mit achtsamem Verhalten Schmerzen auf lange Sicht vorbeugen. Genau diese Art von Vorbeugung im Alltag ist Steckenpferd der Aktion Gesunder Rücken e.V. und das sind ihre Tipps für Sie.

Step 1 – Ballast abwerfen

Ob Minimalist oder Mr. Always-ready –  zu welchem Typ auch immer Sie gehören, stellen Sie den Inhalt Ihrer Akten- oder Sporttasche auf den Prüfstand und sortieren Sie knallhart aus. Das Extra-Buch, zwei Magazine, Ihr Tablet, die Wasserflasche und für das Workout schon ein fertiger Shake oder andere Supplements? Einfach raus mit allem, worauf Sie verzichten können. So können Sie einiges an Gewicht einsparen.

Step 2 – Schulter wechsel dich

Das Tragen einer Tasche beeinflusst Ihren gesamten Bewegungsapparat! Der Körper nimmt automatisch die Position ein, die nötig ist, um die Last auszugleichen. Das ist nicht immer die gesündeste Haltung. Durch ungleichmäßige Gewichtsverteilung und -belastung kann das bestimmte Partien der Rücken- und Nackenmuskulatur ungünstig beeinträchtigen. Tragen Sie darum den Gurt am besten quer über der Brust oder wechseln Sie regelmäßig die Seite, auf der Sie die Tasche tragen. Eine weitere Option: wenn es zum Anlass passt, darf es auch gerne mal der Rucksack sein, insbesondere, wenn mehr Gewicht zu transportieren ist.

Step 3 – Klug geplant, ist halb gewonnen

Immer das gleiche Modell? Wie langweilig! So abwechslungsreich wie der Alltag sollte auch die Wahl der Tasche sein. Wenn Sie wissen, dass es ein langer Tag mit vielen Wegen zu Fuß wird, sollten Sie abwägen, ob es nicht besser der Rucksack oder das legerere Modell mit Tragegurt sein sollte. Über einen längeren Tragezeitraum ist das nämlich grundsätzlich rückenfreundlicher, da sich das Gewicht hier besser auf den Schultern verteilt.

Step 4 – Immer am Mann

Auch ein Rucksack ist noch keine Garantie für rückengerechtes Tragen. Wenn Sie ihn einseitig oder in der Hand tragen, sieht das vielleicht cool aus, aber Ihr Rücken wird das anders sehen und sich schon bald mit Protest bemerkbar machen. Generell gilt es den Rucksack nah am Körper zu haben. Baumelt alles nur locker herum, entstehen schnell Fehlbelastungen. Achten Sie außerdem auf eine möglichst aufrechte Haltung und einen geraden Rücken. Übrigens: Wer sportlich aktiv ist, dem fällt das meist leichter. Seien Sie außerdem achtsam mit sich selbst. Sobald Sie krumm werden, steuern Sie gegen und richten sich wieder auf.

Tipps für einen gesunden Rücken:

  • Mehr Bewegung im Alltag: Besorgungen häufiger zu Fuß erledigen, statt des Aufzugs die Treppe nehmen, Fahrradfahren
  • Schon mit fünfzehn Minuten Fußweg zweimal täglich in mäßigem Tempo zur Bahn oder zum Einkaufen können auch Couch-Potatoes die Hälfte ihres Tagessolls an körperlicher Aktivität erreichen. Es darf aber gerne auch mehr sein.
  • Ergonomischer Arbeitsplatz: rückgerechte Stühle und Stehmöglichkeiten nutzen, immer wieder Pausen für kurze Bewegungseinheiten einlegen
  • Rückenfreundlichen Sport treiben: geeignet sind u.a. Aqua-Fitness, Joggen, Walken, Inline-Skaten, Krafttraining, Pilates, Radfahren, Tai Chi, Qi Gong, Yoga, Trampolinspringen, Gymnastik
  • Alltagsstress reduzieren: gute Hilfsmittel sind Meditation, Muskelentspannung nach Jacobsen, Atemtechniken, Autogenes Training
  • Stretching: Machen Sie sich zum Beispiel ganz lang, als ob Sie wie eine Marionette an einem imaginären Faden nach oben gezogen werden und strecken Sie so Ihre Wirbelsäule. Oder dehnen Sie die Muskulatur, indem Sie sich zur Seite neigen oder sanft den Oberkörper nach links und rechts pendeln.
  • Gezieltes Rückentraining: Krankengymnastische Übungen können Beschwerden verhindern. Lassen Sie sich hierzu von einem Therapeuten beraten oder nutzen Sie eines der vielen Bürogymnastik-Programme der Krankenkassen. Die kleinen Trainingseinheiten für zwischendurch sind meist gut am Schreibtisch oder im Stehen durchführbar - ohne zusätzliche Hilfsmittel.
Mehr erfahren Sie unter: https://www.agr-ev.de/de/rueckenschmerzen/ursachen-und-tipps

* Journal of Health Monitoring, Prävalenz von Rücken- und Nackenschmerzen in Deutschland. Ergebnisse der Krankheitslast Studie BURDEN 2020

28.10.2021 DGA | Quelle: Aktion Gesunder Rücken (AGR) e.V.

Demenz: Angehörige benötigen ebenso Beratung wie Betroffene selbst

Ursprünglich zum Schutz der Menschen gedacht, entpuppen sich die Pandemie-bedingten Kontaktbeschränkungen und Isolationsmaßnahmen zunehmend als Quelle neuer Schwierigkeiten. „Jede Altersgruppe ist gesondert zu betrachten“, sagt die Ergotherapeutin Barbara Heise, DVE (Deutscher Verband Ergotherapie e.V.) Viele Senioren waren isoliert. In der Folge konnten sich beispielsweise kognitive Defizite unbemerkt entwickeln. Stellen Angehörige solche Anzeichen, die auf Demenz hinweisen können fest, ist Handeln sinnvoll. Maßgebliche Voraussetzung, um solch heikle Gespräche erfolgreich zu führen: Einen geeigneten Zeitpunkt finden, wenn der oder die Betroffene bereits ist und offen dafür, Hilfe zu akzeptieren.

Bewegung und der Austausch mit anderen: diese Aspekte sind gerade für ältere Menschen wichtig, um dem geistigen Abbau entgegenzuwirken. Doch eine solche Lebensweise haben Kontakt- und Ausgangssperren verhindert. „Aufeinander achten“, sagt die Ergotherapeutin Barbara Heise „ist jetzt angesagt“. Sie hat dabei alle im Blick, wünscht sich aber, dass auf die Älteren besonders genau geschaut wird, denn das Fachgebiet der Ergotherapeutin ist das Arbeiten mit Menschen mit Demenz und deren kognitiven Defiziten. Sie weiß durch Feedbacks von Angehörigen, in welch positive Bahnen sich das Leben von und mit Demenzerkrankten lenken lässt, wenn die Betroffenen selbst oder deren Umfeld bereits bei den ersten Anzeichen professionelle Hilfe, etwa von Ergotherapeuten, in Anspruch nehmen.

Demenz realisieren und handeln „Ältere Menschen realisieren durchaus, wenn ihre geistigen Fähigkeiten nachlassen“, bestätigt Barbara Heise, was sich erahnen lässt. Eigene Gedanken oder die von Angehörigen wie: ‚lieber nicht wissen wollen, was da noch auf einen zukommt‘ oder ‚erst mal hinnehmen, andere sind auch vergesslich‘ sind menschlich. Besser ist jedoch, sich schnellstmöglich um professionelle Hilfe zu kümmern. Was viele nicht wissen: Ärzt:innen können ab dem Zeitpunkt der Diagnose ‚Demenz‘ direkt Ergotherapie zur besseren Alltagsbewältigung verordnen und somit den Grundstein für ein längeres Autonom-bleiben von Menschen mit Demenz und mehr Freiheit für deren Angehörige legen. „Schon die Anfänge entgehen dem achtsamen Beobachter nicht“, bittet die Ergotherapeutin Angehörige um ihre Mitarbeit. Ebenso wie die Betroffenen selbst. Nehmen sie die beginnenden Veränderungen an sich selbst wahr, kann es zu Depressionen oder anderen, sogar zu Kurzschlusshandlungen kommen. Die Ergotherapeutin empfiehlt, den Arzt oder die Ärztin zu konsultieren, denn sowohl auf den Verlauf von Depression als auch von Demenz ist durch eine entsprechende Intervention ein positiver Einfluss möglich.

Kooperationsbereitschaft herbeiführen Nicht jeder Betroffene kann oder will sich mit der Realität auseinandersetzen. Denjenigen aus dem Umfeld stellt sich daher oft die Frage: wie kann ich Eltern oder den beziehungsweise die Ehepartner:in zum Arztbesuch bewegen? „Einen geeigneten Zeitpunkt wählen“, verrät Heise. Dabei erachtet sie als wichtig, weder bestimmend, noch bevormundend zu sein und vor allem: das Thema dann – behutsam versteht sich – anzusprechen, wenn das Problem gerade für beide offensichtlich ist, möglicherweise Eltern oder Partner:in sogar selbst die eigene Vergesslichkeit feststellen. Idealerweise sollte der oder die Betroffene in dem Moment offen sein, unbedingt dem Gespräch folgen können und sich nicht überfordert fühlen. Diese Vorgehensweise ist typisch für Ergotherapeut:innen und geht mit den Grundsätzen des Konzeptes einher, mit dem Barbara Heise bevorzugt arbeitet: HoDT, Handlungsorientierte Diagnostik und Therapie. Dieses Konzept bietet konkrete Behandlungsansätze, um die Kompetenz und Handlungsfähigkeit in den Bereichen, die demjenigen mit Demenz etwas bedeuten, beizubehalten oder wieder herbeizuführen. HoDT orientiert sich in besonders zielführender Weise an den Wünschen und dem Können der Patient:innen und schafft eine gemeinsame Handlungs- und Kommunikationsebene für alle: Betroffene, Angehörige und Ergotherapeut:in.

Energiehaushalt entlasten „Es ist zeitgemäß, den Menschen in all seinen Facetten und Besonderheiten in den Mittelpunkt der Betrachtungen zu stellen und immer mehr Disziplinen werden mittlerweile hierfür aus- oder fortgebildet“, sagt Heise. Allerdings schafft das kaum eine Berufsgruppe so konsequent und bis in jedes Detail des Alltags heruntergebrochen wie Ergotherapeut:innen. Sie nennen es klientenzentriertes Arbeiten. Warum spielt das bei Menschen mit Demenz eine so große Rolle? Die erste, große Aufgabe bei der Arbeit mit Menschen mit Demenz ist, möglichst viel Energie für die Bewältigung des Alltags freizuschaufeln. Dazu überprüfen Ergotherapeut:innen zunächst: Wohin fließt die Energie? Wie oder wo belasten die Betroffenen ihren Energiehaushalt unnötig? Tragen sie ihre Brille und hat diese noch die richtige Stärke für die Nähe und/ oder die Ferne? Oder muss sich die Person Mühe geben, um richtig zu sehen? Beansprucht sie bereits hierfür ihre ganze Konzentration und Aufmerksamkeit, reduziert sich die verbleibende Energie. Es wird anstrengend, dem weiteren Geschehen im Außen zu folgen oder Dinge und andere Personen einfach zu erkennen. Ein anderes Beispiel ist schlechtes Hören. Auch dies verhindert, dass Ältere Gesagtes inhaltlich erfassen und mit Gesprächen Schritt halten können. Ähnlich verhält es sich mit der Einrichtung, Küche und Kleiderschrank. Ein Zuviel an Dingen und ständiges Suchen-müssen zieht unnötig Energie, die an anderer Stelle erforderlich ist, um den Alltag zu bewältigen, Aufgaben zu haben und sich gebraucht zu fühlen. Gemeinsam mit ihren Patient:innen und – leben sie mit weiteren Personen in einem Haushalt – deren Partner:in oder Angehörigen reduzieren Ergotherapeut:innen das Vorhandene auf das tatsächlich Benötigte. Das Verschlanken des Alltags bewirkt weitere Erleichterungen und einen besseren ‚Durchblick‘.

Einen gemeinsamen Nenner finden Um das übergeordnete Ziel, die Autonomie des Menschen mit Demenz bei möglichst vielen Alltagshandlungen zu erhalten, sind Routinen, Abläufe wichtig. Die Kunst ist auch hier, bei den Betroffenen den richtigen Zeitpunkt zum Üben abzupassen. Die Ergotherapeutin Heise veranschaulicht dieses am Beispiel des Toilettengangs – einer ständig wiederkehrenden Alltagshandlung, die jedoch für alle Beteiligten sehr belastend werden kann, wenn sie nicht mehr klappt. „Angehörige versuchen gerne, den Toilettengang dann mit Mama, Papa, Partner:in zu üben, wenn die tatsächlich ‚müssen‘. Die älteren Menschen haben dann jedoch ausschließlich Energie das zu tun, was der Körper gerade verlangt und können sich dabei nicht dem Üben widmen“, erklärt Heise, wie es zu sich wiederholenden Konflikten kommt. Jeder sei in seinem eigenen Film unterwegs, meint sie und dass es gelte, jede(n) da abzuholen, wo er oder sie sich gerade befinde und zwar auf Augenhöhe. Sie hat Verständnis für Angehörige und Partner:innen, die oft in Zeitnot handeln oder anders strukturiert sind, nach einer Logik handeln, die von der des von Demenz Betroffenen abweicht. Nach dem Prinzip des HoDT orientieren Ergotherapeut:innen daher ihr Vorgehen daran, nach welcher persönlichen Logik und Strategie ein Mensch, insbesondere der mit einer Demenz, handelt. Ist dieses Muster entschlüsselt und das Verhalten des oder der Patient:in verstanden, ist die Grundlage geschaffen, um gemeinsam an Defiziten zu arbeiten beziehungsweise Kompensationsstrategien für mangelnde Fähigkeiten zu entwickeln. Oder Handlungen so zu vereinfachen, dass sie für den Menschen mit Demenz ohne Hilfe von anderen machbar sind.

Angehörige einbeziehen und unterstützen Das A und O für das Gelingen der ergotherapeutischen Intervention bei Menschen mit Demenz ist neben der eigentlichen Arbeit mit den Betroffenen die Zusammenarbeit mit den Angehörigen. Um bei ihnen ein besseres Verstehen und Verständnis herbeizuführen, sieht das ergotherapeutische HoDT-Konzept Erklärungsmodelle wie zum Beispiel die sogenannten Rehafelder vor, mit deren Hilfe sich vieles erklären und sogar Konflikte lösen lassen. „Angehörigen oder Partner:innen gebührt der größte Respekt“, findet die Ergotherapeutin und wünscht sich, dass Angehörige über die bereits bestehenden Möglichkeiten hinaus ebenfalls mehr Hilfe erhalten. Dies ließe sich durch auf deren spezielle Bedürfnisse zugeschnittene Verordnungen für Ergotherapie oder gegebenenfalls andere Therapieformen ermöglichen. Mehr Unterstützung für diese Helfer ist wichtig, denn Angehörige sind nicht in der Pflege oder Betreuung von Menschen mit Demenz ausgebildet. Sie überfordern sich oftmals – aus Liebe, dem Anspruch, den Eltern oder anderen betroffenen Angehörigen etwas zurückgeben zu wollen und einer gewissen Verpflichtung. Ein Denkanspruch, der nur dann zum Erfolg führen kann, wenn die Angehörigen genügend Ausgleich haben oder bei Ergotherapeut:innen Kompensationsmöglichkeiten für eine bessere Balance erlernen.

Informationsmaterial zu den vielfältigen Themen der Ergotherapie gibt es bei den Ergotherapeut:innen vor Ort; Ergotherapeut:innen in Wohnortnähe auf der Homepage des Verbandes unter https://dve.info/service/therapeutensuche

26.10.2021 DGA | Quelle: Deutscher Verband Ergotherapie e.V.

Yoga: gezielt und sicher üben

Immer mehr Frauen und zunehmend auch Männer finden sich im Schneidersitz auf der Matte wieder. Yoga, die ursprünglich aus Indien stammende Technik, verzeichnet in der westlichen Welt grade einen Boom. Sie gilt als sanfte Übungsform. „Wer sich bewegt, tut grundsätzlich etwas für seine Gesundheit. Doch wie jedes Sportangebot birgt Yoga bei falschem oder zu ambitioniertem Training auch Verletzungsrisiken, insbesondere bei bestehenden Vorerkrankungen“, warnt Ute Repschläger, Physiotherapeutin und Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands selbstständiger Physiotherapeuten (IFK e. V.).

Im Yoga stärken gezielte Körperübungen, Asanas genannt, die Muskulatur, andere steigern die Dehnungsfähigkeit der Gewebe und halten die Wirbelsäule beweglich. Atemtechniken und -übungen gehören zum Übungsablauf dazu. Dabei ist ein Gleichgewicht aus Stabilität und Flexibilität das zentrale Thema. Zu den körperlichen Übungen befähigt die Einbeziehung der Psyche die Übenden, Stressmuster rechtzeitig zu erkennen und aufzulösen, am besten natürlich bevor sie sich (unbewusst) körperlich manifestieren und zu Beschwerden führen können.

Bei allen positiven Effekten rät die erfahrene Physiotherapeutin Ute Repschläger Neueinsteigern aber auch längerfristig Praktizierenden, sich nicht von der grazilen Beweglichkeit trendiger Yoga-Stars etwa auf den Social-Media-Kanälen zu Übungen verleiten zu lassen, welche die eigenen körperlichen Voraussetzungen überfordern. Eine Portion Vorsicht ist insbesondere bei bestehenden Vorerkrankungen angezeigt. Im Zweifelsfall sollten sich Yoga-Übende besser beraten lassen, welche Asanas geeignet sind. „Wir Physiotherapeuten wissen, welche Übungen bei welchen Einschränkungen ohne Bedenken praktiziert werden können und einen positiven Effekt auf das Beschwerdebild haben und welche eher kontraproduktiv sind“, betont Ute Repschläger.

Patienten mit Problemen im unteren Rücken (genauer gesagt dem Kreuzbein-Darmbein-Gelenk oder Iliosakralgelenk, kurz ISG) sind in Physiotherapiepraxen häufig vertreten. Eine ISG-Problematik kann durch langes Sitzen, muskuläres Ungleichgewicht, asymmetrische Bewegungen, Lockerungen der Bänder im Beckenbereich nach Schwangerschaften oder Arthrosen entstehen. Dabei ist häufig ein gestörtes Zusammenspiel von Muskeln, Faszien, Sehnen und Bändern ursächlich. Für diese Patienten kann dann der im Yoga häufig praktizierte Drehsitz weniger geeignet sein, da er eine ISG-Blockierung hervorrufen kann. Die sogenannte Brücke (Bezeichnung im Yoga: Setu Bandhasana) ist dagegen eine gute Übung, um auch bei wiederkehrenden Schmerzen eine Linderung zu erzielen (siehe Übung 1: Brücke).

Bedingt durch wenig Bewegung wie beispielsweise durch langes Sitzen im Büro entstehen häufig Probleme in der Brustwirbelsäule, die sich als Schmerzen zwischen den Schulterblättern bemerkbar machen. Auch die Halswirbelsäule wird durch eine lange Bildschirmarbeit stark belastet. Häufig ziehen die Schmerzen dann von der Halswirbelsäule hoch in Richtung Hinterkopf und können zu Kopfschmerzen führen. Zur Mobilisation der Brustwirbelsäule empfehlen Physiotherapeuten die Übung, die im Yoga Katze-Kuh-Übung (Chakravakasana) genannt wird, wobei bei sitzenden Tätigkeiten, die vor allem zu einem Rundrücken führen, nur die Bewegung in die Streckung betont werden sollte (siehe Übung 2: Mobilisation Brustwirbelsäule).

Die präzise Ausführung der Übungen ist für den gesundheitlichen Nutzen entscheidend. Physiotherapeuten können die Übungen anleiten und gegebenenfalls individuell abwandeln. Die Vorbeuge (Yoga: Uttanasana) ist ein Beispiel für eine im Yoga gerne praktizierte Übung, die auf den ersten Blick einfach erscheint, aber insbesondere für Ungeübte mit einem Verletzungspotenzial einhergeht. Die Vorbeuge sollte besonders bei Vorerkrankungen nicht auf Anhieb bis in die maximal mögliche Bewegungsausführung reichen. Eine verkürzte rückseitige Beinmuskulatur oder eine eingeschränkte Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule können Gründe dafür sein, dass die Maximalposition nicht erreicht wird. Hier kann ein Physiotherapeut helfen, indem die Vorbeuge abgewandelt wird (siehe Übung 3: schonende Vorbeuge).

Sanfte Übungen helfen bei Beschwerden:

1. Übung: die Brücke

Ausgangsstellung ist die Rückenlage, die Hände liegen neben dem Körper, Handinnenflächen zeigen Richtung Decke. Die Beine werden angewinkelt und die Füße werden hüftbreit aufgestellt. Der Kopf liegt flach auf dem Boden. Das Gesäß wird angespannt, die Hüfte angehoben und auch der Rücken hebt Wirbel für Wirbel ab. Diese Spannung für 20 bis 30 Sekunden halten, dabei gleichmäßig weiter atmen. Fortgeschrittene können aus dieser Position heraus abwechselnd ein Bein ausstrecken. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass das Becken nicht absinkt, sondern in einer waagerechten Position bleibt. Dann den Rücken Wirbel für Wirbel und auch die Hüfte langsam wieder Richtung Boden absenken. Die Übung sollte mehrmals hintereinander durchgeführt werden.

2. Übung: Mobilisation der Brustwirbelsäule

Ausgangsstellung ist der Vierfußstand. Die Handgelenke befinden sich unter den Schultern, dabei bilden Handgelenk, Ellbogen und Schulter eine senkrechte Linie. Die Knie stehen unter den Hüften. Kopf und Wirbelsäule sind in einer neutralen, geraden Position, dabei ist der Blick Richtung Boden gerichtet. Übungsablauf: Mit der Einatmung wird der Oberkörper in eine Art Hohlrücken abgesenkt und der Blick dabei nach oben ausgerichtet. Mit der Ausatmung geht man in die Mittelstellung zurück (gerader Rücken). Die Bewegungen sollten langsam und bewusst mit Hilfe des Atemrhythmus mehrmals hintereinander durchgeführt werden.

3. Übung: schonende Vorbeuge

Beginn der Übung ist im hüftbreiten Stand. Mit der Ausatmung langsam vom Kopf her Wirbel für Wirbel abrollen und in die Vorbeuge gehen, die Hände werden in Richtung Boden geführt. Kopf und Schulter sind dabei entspannt. Anfänger und Trainierende mit verkürzter Oberschenkelmuskulatur sollten die Knie leicht beugen Die Hände müssen dabei nicht den Boden berühren, sondern können auch auf den Schienbeinen locker abgelegt werden, sodass nur eine halbe Vorbeuge entsteht. Die Dehnung entsteht allein durch das Körpergewicht. Diese Stellung für einige Atemzüge halten. Diese Position mit der Einatmung verlassen und den Rücken wieder aufrollen.

Osteoporose? Aktiv werden für starke Knochen!

In Deutschland sind 5,2 Millionen Frauen und 1,1 Millionen Männer ab 50 Jahren von einer Osteoporose betroffen.[1] Trotz dieser hohen Anzahl von Erkrankten kennt sich laut einer repräsentativen Umfrage unter 1.000 Deutschen nur ein Drittel mit der Erkrankung aus.[2] Entsprechend hartnäckig halten sich Halbwahrheiten, wie beispielsweise dass Osteoporose eine unvermeidliche Alterserscheinung bei Frauen sei. Dabei betrifft die Erkrankung weder nur Frauen noch ausschließlich ältere Menschen. Bewusstsein für Osteoporose zu schaffen ist wichtig: Denn nur jeder fünfte Betroffene wird angemessen behandelt.[1] Und das, obwohl es viele Möglichkeiten gibt, der Krankheit vorzubeugen und sie zu behandeln.

Osteoporose früh erkennen

Bei einer Osteoporose wird Knochensubstanz abgebaut, die Knochen werden porös und es kann zu schmerzhaften Knochenbrüchen kommen.[3] Die Folgen können sich von Einschränkungen der Lebensqualität und Lebensführung bis hin zur dauerhaften Pflegebedürftigkeit erstrecken. Erste Anzeichen der Osteoporose, wie dumpfe Rückenschmerzen ohne ersichtliche Ursache oder der Verlust an Körpergröße, werden oft nicht ernst genommen. Dabei sollten sie Anlass für einen Arztbesuch sein, um das persönliche Osteoporose-Risiko zu klären.[4] Dies gilt besonders dann, wenn es schon Osteoporosefälle in der Familie gegeben hat. Die Ärztin oder der Arzt erfasst die Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht, andere bekannte Krankheiten, regelmäßige Medikamenteneinnahmen und weitere Lebensgewohnheiten.[4] Ist das Osteoporose-Risiko erhöht, ist eine Knochendichtemessung eine Möglichkeit, die Krankheit zu diagnostizieren.[5] Dazu hat sich die Dual-Energy X-ray Absorptiometry, kurz DXA genannt, bewährt. Die Messung ist schmerzfrei, geht mit einer geringen Strahlenbelastung einher und dauert nur circa fünf bis zehn Minuten.[6]

Kalzium, Vitamin D und Bewegung: unverzichtbar für Prävention und Behandlung

Besteht ein erhöhtes Osteoporose-Risiko, tragen die ausreichende Versorgung des Körpers mit Kalzium und Vitamin D sowie regelmäßige Bewegung dazu bei, der Erkrankung vorbeugen. Wurde bereits eine Osteoporose diagnostiziert, bilden die genannten Bausteine zugleich die Basistherapie. Ziel ist es, den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen: Kalzium baut die Knochen auf, macht sie hart und stabil. Vitamin D, das vor allem bei Sonneneinwirkung in der Haut gebildet wird, sorgt dafür, dass das Kalzium vom Körper verwertet und in den Knochen eingebaut werden kann.[7] Ein Vitamin-D- oder Kalziummangel begünstigt das Entstehen einer Osteoporose oder kann zur Verschlimmerung der Erkrankung führen.[8, 9]

Bewegung ist ein weiterer wichtiger Eckpfeiler der Therapie. Ein individuell abgestimmtes Bewegungsprogramm stärkt die Knochen und hilft, Knochenbrüche zu vermeiden. Darüber hinaus fördern bestimmte Übungen das Gleichgewicht, was wichtig für die Vermeidung von Stürzen ist.

Selbst aktiv werden: Hier gibt's wertvolle Infos

Das Aktionsbündnis Osteoporose bietet auf der Website www.aktionsbündnis-osteoporose.de Rezepte, Ernährungspläne, animierte Zubereitungstipps und Sportvideos, die dazu beitragen, die Knochen zu stärken und Stürzen vorzubeugen. Expertinnen aus den Bereichen Ernährung, Sport und Medizin erklären leicht verständlich physiologische Zusammenhänge, räumen mit Vorurteilen auf und zeigen, wie sich die Therapie gut in den Alltag einbauen lässt.

Informationen zum Aktionsbündnis Osteoporose, zur Kampagne KNOCHEN.STARK.MACHER. und zur Erkrankung Osteoporose sowie eine Broschüre und viele weitere Download-Materialien finden Sie unter www.aktionsbündnis-osteoporose.de.



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